23.12.2010
Taugt Günther Jauch schon zum Running Gag in diesem Blog, wenn er zum zweiten Mal erwähnt wird? Wir können auch Kerner und Gottschalk und sogar Aiman Abdallah ins Feld führen, um ganz klar zu machen: jetzt geht es um den Jahres-Rückblick. Den große CashBits-Jahres-Rückblick. Puh.
Nicht unkompliziert deswegen, weil man ja nicht die großen Phrasen dreschen und einen Haufen Allgemein-Plätzchen dareichen will ... Stattdessen sollte es bitteschön konkret und greifbar sein. Was einerseits schwer fällt, wenn man sich vor lauter Arbeit meist eh nur an die gerade zurückliegende Woche erinnert und außerdem den Rahmen nicht sprengen will. Mit Anekdoten ist es außerdem auch wie mit Insider-Witzen ... schwierig, schwierig, schwierig. Gute Erfahrungen haben wir dagegen mit "Regeln" gemacht. Oder "Merksätzen". Unser CashBits-Gründungsvortrag funktioniert so und ich erinnere mich dunkel (auch wenn das wirklich schon mehr als eine Woche zurückliegt), dass mir das Schreiben der Videodreh-Erkenntnisse in kurzen, abgehackten Sätzen auch nicht so schwer fiel wie sonst.
Deswegen: Der CashBits-Jahresrückblick – ein Füllhorn der guten Laune. Die lose Schüttung der Weisheit. Gründung, retrospektiv in, ja, das werde ich erst am Ende des Artikels sehen, xx kurzen Schnipseln. Würden so in jeden Glückskeks passen – und das sollte eh immer, immer, immer das Ziel sein.
1. Gründung ist super! Okay, das zu den Allgemein-Plätzchen. Aber so ganz grundsätzlich stimmt das – die Entscheidung gegen feste Jobs und für die Selbstständigkeit war großartig. An alle, die zweifeln: tut es. Es lohnt sich.
2. Es ist unglaublich, wie viele Menschen man in ein paar Monaten kennen lernen kann, wenn man es drauf anlegt. Ja, das CashBits-Büro ist unterwegs gewesen nach dem Motto “keine Feier ohne Meier” – aber da man nie weiß, wen man wo trifft und welche Party sich lohnt … Deswegen muss man da durch. Und ähnlich wie bei Models oder Eiskunstläuferinnen kann man auch hier sagen “es sieht nur so leicht aus, eigentlich ist es harte Arbeit”. Aber auch die lohnt sich.
3. Ich habe viel, viel, viel Telefonvertrieb gemacht – und die positive Überraschung ist, dass die Menschen fast ausnahmslos nett und offen reagieren. Davon kann man sich tatsächlich mal eine Scheibe abschneiden – auch eine Absage lässt sich nämlich nett verpacken. Und wie viele unglaublich lustige Gespräche man führt und wie viel Persönliches man von den Menschen am anderen Ende der Leitung erfährt. Bis hin zu diesem Geschäftsführer, der sagte “Über mir ist nur noch Gott. Und den finde ich blöd” …
4. Die Zeit ist ein komisches Konstrukt – das war mir schon vorher klar, seit CashBits ist es noch schlimmer. Einzelne Wochen sind mit Fingerschnips vorbei, ständig hat man das Gefühl, längst nicht alles geschafft zu haben. Und trotzdem: Wenn ich mir vorstelle, was wir seid Februar erlebt, gesehen, gemacht haben, wie weit wir gekommen sind: unglaublich. Das können doch niemals nur ein paar Monate gewesen sein …
5. Noch ein guter Tipp: niemals alleine gründen. Denn dann ist man in den schlimmen Phasen, wenn gar nichts mehr geht und alles schrecklich ist, ja, genau, ALLEINE. Unvorstellbar.
Die schönsten Momente 2010: Nachts um fünf bei McDonalds nach der ersten großen E-Commerce-Party. Gute Meetings mit Mindmatters. Bürostühle kaufen bei IKEA. Unterwegs mit den Investoren nach der ersten Gesellschafterversammlung. Die ersten traurigen Abschiede von Superpraktikanten und ein Abend im ETAP Hotel Leverkusen.Die ersten Kunden, die ersten Umsätze, super Presse-Clippings.
Die nicht so schönen Momente 2010: Anwälte über die Marathon-Distanz. Eine sehr mühsame Entwicklersuche mit vielen mittelguten Bewerbungsgesprächen. Kinderkrankheiten in der API. Ein paar Mal knapp vorbei an Treppchen, Pokal oder Geld bei irgendwelchen Wettbewerben. Stress. Und Wahnsinn.
2011 darf aus CashBits-Sicht jedoch gern so laufen wie ein leicht verbessertes 2010. Damit könnten wir hier alle gut leben. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr!
07.12.2010
Meine Posts fressen sich gegenseitig auf – nur so ist der relativ große Abstand zwischen den schriftlichen Wortmeldungen hier zu erklären.
Man stelle sich das in meinem Kopf ungefähr so vor “ich muss dringend einen Post über den craft:raum schreiben – und zwar bald. Die Eindrücke sind noch frisch, das Geschehen ist noch nicht so lange her, dass man sich in einem tagesaktuellen Medium lächerlich macht”. Dann passiert ein paar Tage lang der normale StartUp-Wahnsinn. Wenn ich Glück habe, kommt ein halbfertiger Post zustande, der in den Tiefen des Wordpress-Admin-Bereichs versumpft. Akquise macht zwar nicht mehr Spaß als Blog schreiben, ist aber im Zweifel die nachhaltigere Tätigkeit. Vielleicht schreibt Sunanda in der Zwischenzeit einen Praktikanten-Beitrag. Und dann kommt der nächste Anlass, der nächste Post. Die nächste Stimme in meinen Kopf, die sagt “ich muss dringend einen Post … ” Man ahnt, was folgt.
Wir wären jedoch schlechte Gründer, ach, was sag ich, schlechte Menschen, wenn wir nicht in der Lage wären, Dinge, die schief laufen, wieder auf Spur zu bringen. Wie meine Freundin A. sagt “am schlimmsten ist es doch, sich über sich selbst zu ärgern”. Weshalb ich mindestens drei imaginäre Geschichten dieses Blogs überspringe und einfach sage, was aktuell zu sagen ist: Wir haben eine Weihnachtsaktion!
Natürlich haben wir eine Weihnachtsaktion – wie kann man als E-Commerce-Bude keine Weihnachtsaktion machen?! Eben. Die unsrige, und ich finde, wir haben sie uns schön ausgedacht, macht, dass sich Geschenke auf magische Art und Weise verdoppeln. So kann man eine Kaffemaschine unter den Baum legen und die andere selbst behalten. Beiden Töchtern ein größeres Geschenk machen. Oder noch einen Freund extra beglücken. Ist ja nicht umsonst das Fest der Liebe, ne. Wie man das macht? Irgendwas bei einem CashBits-Händler kaufen, die CashBits auch tatsächlich einsammeln (über das kleine Häkchen am Ende des Bestellvorgangs) und dann ein auf unserer Facebook-Seite posten, warum man das gern noch einmal hätte. Der Rest ist Glück – wie immer im Leben.

Hier kann man das alles noch einmal genauer nachlesen. Das schöne Bild mit den Geschenken macht weihnachtliche Stimmung und verrät, dass man auf der richtigen Seite gelandet ist.
Und ich fange jetzt an, den nächsten Post zu schreiben: “craft:raum – die Retrospektive. Was es einen Monat danach über Hamburgs tollste Bastelparty zu sagen gibt”
29.11.2010
Also, der Blog wird gelesen. Offensichtlich sogar von Leuten, die mich nicht kennen und die ich nicht kenne. Beweis? Der ungefähr überraschendste Anruf ever, vor ein paar Tagen, recht spät, auf meinem Handy. Vielleicht waren das, wie spontan von mir vermutet, die Reporter von NEWS of the WORLD. Klar, diese immer gleiche Masche “ich verkleide mich als Scheich und lege eine Ex- oder immer noch-angeheiratete Kronprinzessin rein, um die Queen mal richtig zu ärgern” wird ja auch langsam so boring. Buggers, all of them. Aber warum sollten die … Nee. Macht ja keinen Sinn.
Also war es vielleicht doch ein Gründer aus Köln, der sich für das Thema SatrtUps im Allgemeinen und deren Blogs im Speziellen interessiert. Und der aus irgendwelchen Gründen regelmäßig den CashBits-Blog liest und nach dem letzten Post spontan zum Telefon gegriffen hat. Und auch wenn ich zugebe, relativ irritiert gewesen zu sein – ich kann ja nicht penetrant den Austausch unter Gründern fordern und dann nicht practicen, was ich preache (um jetzt mal in der Sprache der Queen zu bleiben).
Das Gespräch war dann noch sehr nett. Mittlerweile ist der Herr CashBits-Facebook-Fan und damit irgendwie enttarnt. Wir haben ihm Kaltgetränke versprochen. Und freuen uns wirklich über den Austausch (vor allem, wenn wir sicher sein können, dass der nicht mit Undercover-Reportern stattfindet). Bitte, mehr davon. Ehrlich.
26.11.2010
Der Vortrag zum Social Media Monitoring entpuppt sich als ganz schön technisch – ist aber trotzdem interessant, obwohl ich von der technischen Realisierung nur einen Bruchteil überhaupt im Ansatz verstehe. Die abschließende Quintessenz verstehe ich jedoch: In bestimmten Fällen ist Social Media Monitoring sinnvoll, trotzdem sind solche Tools in keiner Weise mit der Leistung eines menschlichen Gehirns vergleichbar. Klingt einleuchtend. Was sich hier ebenfalls noch mal zeigt: in der Businesswelt braucht jeder einen Laptop oder ein Netbook – und das erwähnte Smartphone. Denn spätestens in der nächsten Session „Alien in Shanghai“ komme ich mir, so ganz ohneGadget, inmitten all der internetbegeisterten Businessmenschen wie ein „Alien in barcamp“ vor.
Höchste Zeit für eine Pause. Auf dem Weg zum Catering werfe ich noch einen kurzen Blick in den großen Google-Raum, indem gerade ein Vortrag über Aufputschmittel, Kaffee und Co. stattfindet. Etwas zu schräg, ist mein erster Gedanke, der sich mit einem Blick auf den grünhaarigen Sprecher am Podium bestätigt. „Man, das ist echt ganz schön bunt hier“, denke ich, während ich mich ein zweites Mal auf die leckeren Croissants und die Mate-Limonade stürze.
Während meines Streifzugs treffe ich viele nette Leute. Man grüßt sich, macht ein bisschen Smalltalk, man tauscht Visitenkarten aus, um in Kontakt zu bleiben (noch so ein Must-have). Aber halt, Stopp! So haben es alle anderen um mich herum gemacht. Aber ich – bin doch nur irgendeine Praktikantin. Und zudem rein zufällig hier. Ich habe keine Visitenkarte und bin auch kein wichtiger Business-Kontakt … Trotzdem, das mit dem Grüßen und dem Smalltalk stimmt zumindest in Ansätzen. Einen Produktmanager von DailyDeal kenne ich bereits von heute Morgen, aus dem Bus. Den treffe ich jetzt wieder. Und ein anderer Produktmanager spricht nicht nur sehr lange mit mir, sondern gibt mir auch noch den genialen Tipp, ich solle doch für meine „geschäftlichen“ Kontakte UNBEDINGT einen Xing-Account anlegen. Und so sammle ich wenigstens Visitenkarten ein. Von beiden. Also ist zwar kein großes soziales Netzwerk zustande gekommen, aber trotzdem, für meinen Praktikantinnen-Status, gar nicht mal so schlecht : )
So geht eine Arbeitswoche mit einem außergewöhnlichen Freitag zu Ende. „Letztlich“, denke ich, „konnte ich eine ganze Menge für mich mitnehmen.“ Immerhin, weiß ich nun, was man beachten muss, wenn man nach Investoren sucht, ich weiß, wie man „Business-Smalltalk“ führt und einen Xing-Account habe ich mir natürlich auch noch angelegt (wenngleich ich bis jetzt nur einen Kontakt habe). Mein Fazit: Wann immer mein Eintritt in die Geschäftswelt auch stattfinden mag, er kann kommen! Und bis dahin habe ich hoffentlich auch ein iPhone und Macbook …
25.11.2010
Eine gute halbe Stunde später stehe ich vorm OTTO-Gebäude. Mir bleibt gerade noch Zeit für die Feststellung, dass ich keine Ahnung habe, worum es bei diesem „barcamp“ überhaupt geht und was man dort tut – schon finde ich mich in der großen Empfangshalle wieder. Überall Menschen. Menschen in Anzug, Jackett, Jeans, Hemd oder Pulli, die einzige Konstante: die Smartphones. Und auf einmal steht Lena direkt vor mir. „Komm mit“, sagt sie. „Hier lang.“ Und schon geht’s los.
Während unseres Trips durch die Menschenmenge erhalte ich meine Einweisung. So viel vorweg: Das barcamp ist eine Tagung, deren Programm sich erst zu Beginn der Veranstaltung entscheidet. Das erste barcamp fand 2005 in Kalifornien statt. Seitdem gibt es solche Events in Nordamerika, Asien und Europa. In Deutschland fanden die ersten barcamps 2006 statt. Und mittlerweile veranstaltet man sie zu verschiedenen Themen. „Die Planungs-Session hat heute Morgen stattgefunden. Jeder, der etwas vortragen will, konnte sich melden. Und dann wird abgestimmt, um zu sehen, wie groß das Interesse am Thema ist und um die Räume entsprechend zu verteilen. Die Sessions laufen bereits, die, in die wir jetzt wollen müsste irgendwo in dem Trakt da hinten sein …“
Und mehr Zeit bleibt dann schon nicht mehr: Ehe ich was erwidern kann, sehe ich uns schon einen total überfüllten Raum betreten, in dem ein Mann mit englischem Akzent einen Vortrag hält. Einfach so hereingeplatzt, kann ich mir nur noch möglichst still und unauffällig eine Lücke am Rand suchen. Der Referent entpuppt sich als Michael Backes von eVentures, der einen Vortrag über – ich nenn es „Investoren-Suche“, der Fachmann nennt es VC-Pitch-Prozess – hält. Erst nach der Session bekommt man wieder Luft und Lena und ich haben endlich Zeit, unser angefangenes Briefing von eben fortzuführen. Nachdem ich einen kurzen Blick auf den riesigen, an die Wand gestrahlten Sessionplan geworfen habe, geht es dann auch schon weiter in die nächste Runde. Diesmal entpuppt sich der Raum als eine Art Mini-Saal, mit Podium, riesiger Leinwand, Rednermikro und, Gott sei Dank, ich hätt’s keine Sekunde länger ausgehalten, mehreren Stuhlreihen zum Sitzen. Der Sprecher ist Sarik Weber, Gründer von Hanse Ventures, und ehemaliger Geschäftsführer von Xing. Bei ihm geht es vor allem um die Einstellung seines Teams zu den Portfolio-Unternehmen, also den StartUps, die von Hanse Ventures finanziert werden. „Alles schön und gut. Zugegeben, auch wirklich interessant … aber: Was soll ICH hier?“ Ich nehme mir vor, nach dem Vortrag noch einmal gründlich den Sessionplan zu studieren. Zwar lasse ich mich spontan noch zu einem kurzen Päuschen beim Mittagsbuffet hinreißen (übrigens nicht einfach nur köstlich, sondern auch kostenlos und vielseitig!) – aber danach mache ich mich gleich auf, um (dieses Mal in Ruhe) den weiteren Verlauf meines Tages zu planen. Ich entscheide mich für „Social Media Monitoring“ um 15 Uhr und im Anschluss daran für „Alien in Shanghai“, was mich auf meinen anstehenden Chinaaufenthalt vorbereiten soll.
Und morgen gibt es dann die den letzten Teil – wie mein Tag zu Ende geht und wie ich das barcamp rückblickend beurteile …
24.11.2010
Sunanda hat es sich im Blog richtig gemütlich gemacht – und erzählt im ersten CashBits-Fortsetzungs-Roman von Ihren Erlebnissen auf dem Hamburger barcamp, das vor 10 Tagen bei OTTO stattgefunden hat.
Freitag. Bald Wochenende. Noch müde stecke ich den klimpernden Schlüssel ins CashBits-Türschloss. Ich öffne, trete einen Schritt ein und … Dunkelheit. „Komisch“, denke ich. Noch nie habe ich das CashBits-Büro komplett leer vorgefunden. Zwar wäre es nicht das erste Mal, dass ich bei meiner Ankunft weder Moritz noch Lena antreffe, aber wenigstens die Anderen müssten doch vor ihren leuchtenden Bildschirmen sitzen. Zumindest wäre da eine Mail: „Haben Heute morgen einen Termin, ruf doch mal an wenn du da bist. Lena.“ … Oder ein kleiner Zettel auf dem Schreibtisch. Doch nichts dergleichen ist diesen Morgen zu finden. Alles scheint wie ausgestorben zu sein.
Ratlos greife ich meine liegengelassene Arbeit vom Vortag auf. Da plötzlich öffnet sich rechts unten auf dem Bildschirm ein Skypefenster. Es ist Lena. „Hallo Sunanda. Habe eben versucht, Dich zu erreichen.“ Verdutzt wühle ich in der Tasche nach meinem Handy. Es zeigt zwei verpasste Anrufe. „Mist“, denke ich. Das Handy war die ganze Zeit über lautlos. Und ich sitz da, wie ein blöder Trottel und wundere mich. „Ich bin heute auf dem barcamp“, schreibt Lena. „Und Moritz ist leider krank.“ So etwas in der Art hatte ich erwartet. Trotzdem bin ich immer noch etwas verwundert über diese atemraubende Stille. „Die Anderen sind auch nicht da. Du bist also heute ganz allein.“
„Na, das wird aber ein interessanter Tag“, denke ich. Gerade als ich weiter arbeiten will, klingelt mein Telefon. Nochmal Lena. „Ich habe ein bisschen rumgefragt. Sieht ganz so aus, als könntest Du an Moritz Stelle teilnehmen!“ Ich bin baff. Doch zum Nachdenken bleibt keine Zeit, ich muss mich gleich auf den Weg machen. Begonnen hat das barcamp schließlich schon. Also fahre ich alle soeben geöffneten Programme wieder runter. Ich packe meine Sachen wieder zusammen, mache alles dunkel und stratze aus dem Büro, Richtung Bus. Gerade zu in die Richtung, aus der ich gekommen bin.
Schon gespannt, wie es weitergeht? – Lest morgen weiter und erfahrt, was mich bei meinem ersten barcamp erwartet …
11.11.2010
… so kommt es mir zumindest vor, wenn ich mir das CashBits-Blog angucke. Ich will mich nicht beschweren: Ich mache das hier gern, und habe auch nichts gegen Selbstgespräche – kann ich gar nicht, schließlich habe ich vor ein paar Tagen hörbar “ist das schön!” geseufzt, als ich eine tolle Sängerin im Internet entdeckt habe (oder zählt das gar nicht als Gespräch, weil es nur ein einzelner Selbst-Satz war?) Trotzdem: irgendwie ist das nicht Sinn der Sache. Um mir selber lustige Geschichten zu erzählen, muss ich nicht ins Büro kommen. Und mich schon Mal gar nicht mit dem Foto-Upload von Wordpress rumärgern.
Deswegen die Frage (und jetzt wird’s ziemlich Meta, weil ich ja eigentlich gerade erklärt habe, dass ich nicht glaube, ein Publikum zu haben, dem ich eine Frage stellen könnte): Was sollte anders sein im CashBits-Blog? Artikel kürzer? Mehr generelle Gründungs-Themen mit Service-Charakter? Für die Damen: eine Fotogalerie “Moritz in allen Lebenslagen”? Und wehe jetzt kommt einer mit “mehr Videos”. Die rufen in der Tat Reaktionen hervor. Dauern aber auch meistens zwei Tage mit Shooting, Schnitt und Musikauswahl …
Mein Ex-Kollege Timo hat immer gesagt, man bekommt Leben in jede Blog- und Forumsdiskussion, wenn man die alte “Mac oder PC-Frage” stellt. Und auf irgendeinem Barcamp habe ich mal Oliver Gassners “how to blog” gehört. Demnach müsste ich bei Google Analytics gucken, welche Frage zufällig über das Blog gestolperte Leser im Moment des Stolperns umgetrieben hat und diese beantworten. Aha. Vielleicht sollte ich mal “was ist, wenn aber niemand auf meinem Blog landet, der eine Frage stellt” googlen und das irgendwie an Oliver Gassner weiterleiten … Nicht mal meine Eltern wussten, dass CashBits auch einen Blog hat.
Also, liebe vielleicht vorhandenen, aber momentan sehr stillen Leser: Was muss anders werden? Und wenn Ihr Euch von dieser Frage nicht angesprochen fühlt: Seid Ihr PC- oder Mac-User??
29.10.2010
Blog-Hoheit abgegeben: Unsere Praktikantin Sunanda beschreibt, wie sie einen Montagmorgen im CashBits-Büro erlebt …

Wie sieht ein typischer Montagmorgen in einem E-Commerce-Start-Up aus? Ich weiß es nicht. Was ich allerdings weiß, ist, wie ein typischer Montagmorgen im CashBits-Büro aussieht.
Wenn ich gegenüber vom Abaton in die Bornstraße einbieg, folge ich den Fenstern zu meiner Rechten bis schließlich neben all den dunklen eine hell erleuchtete Scheibe auftaucht. Dahinter eine konzentriert auf den Bildschirm schauende Blondine mit einem Brötchen und einer Kaffeetasse in der Hand. Auf Lena kann man Pferde verwetten, sie ist stets die erste im Büro und damit eine verlässliche Konstante.
Ich bin da.
Nur noch ein paar Stufen runter und ich steh auch schon mitten im CashBits-Büro. So mancher könnte vielleicht annehmen, ich würde mich nun an meinen Schreibtisch setzen, um dort schleunigst mit der Arbeit zu beginnen (zumindest nachdem ich mir einen Kaffee geholt habe). Nicht so bei CashBits. Denn wer das denkt, der hat seine Rechnung ohne Lena und Sebastian gemacht. Links und rechts von mir wird voller Ehrgeiz von den schönsten Wochenenderlebnissen berichtet. Einzige Unterbrechung: all die Running Gags, die sie sich im Wechsel unaufhörlich an den Kopf werfen. Gerade in dem Moment, als die Wogen sich etwas zu glätten scheinen, geht mit einem Ruck die Tür auf und noch ein weiteres Teammitglied trifft ein. Moritz leistet rühmlich seinen Beitrag und verkündet strahlend das neue Wochen-Motto, das er sich auf dem Arbeitsweg überlegt hat: Diesmal ist es „Zack Bang“! Nun gibt es kein Halten mehr und sogar aus dem Nebenzimmer lässt IT-Praktikant Thomas, der wohl eher ruhigste Pohl des Teams, lautes Prusten vernehmen.
Dann ist es auch schon wieder zehn Uhr – Meetingtime. Ich schaue in die Runde und jedes Gesicht strahlt. Da könnte man wohl meinen, alle hätten ein recht ruhiges und erholsames Wochenende gehabt. Doch auf meine Frage hin schütteln alle energisch die Köpfe. „Kaum ein Auge zu gemacht“, heißt es da. Naja, vielleicht ist es eben eher der Spaß und weniger der Schlaf, der unseren Körper mit neuer Energie versorgt?
Spätestens nach einer Stunde bin ich sicher: Lena hat mit einem breiten Grinsen das dritte große to-do auf ihrer Liste abgehakt und von Moritz lässt sich der mittlerweile zweite Siegesruf vernehmen (schon wieder hat sich ein Shop bei CashBits angemeldet) … meine biologische Antithese stimmt.
Ich denke, auch ohne weitere Details an dieser Stelle kann sich jeder gut vorstellen, wie der Tag im Weiteren verlaufen ist … Wenn ich schließlich, zum Feierabend hin, von Sebastian das in den letzten Stunden immer häufiger auftretende Stöhne vernehme („Der verdammte bug auf der Presseseite gibt einfach nicht klein bei!“) – dann bleibt mir nur noch zu sagen: Wie gut, dass morgen Dienstag ist, und damit auch schon Mittwoch, und dann ist das nächste Wochenende auch fast schon wieder da! Ich für meinen Teil freue mich nämlich schon auf nächsten Montag ; -)
21.10.2010
Wir haben agil entwickelt. Und an einem Freitag vor ein paar Wochen waren wir agil trinken. Die netten Jungs von mindmatters haben uns eingeladen und gemeinsam haben wir die mühsam erlernten Mechanismen der agilen Software-Entwicklung ins Nachtleben zwischen Sternschanze und Kiez übertragen. Das soll aber eigentlich gar nicht Thema sein – denn so ein Abend, vollgestopft mit Anspielungen und Referenzen an gemeinsam Erlebtes ist wie Situationskomik: total langweilig für die, die nicht dabei waren. Und immer auch ein bisschen peinlich für die, die meinen, es ansprechend nacherzählen zu können. Klappt einfach nicht.

Was dennoch Thema für dieses Blog sein kann: Was passiert, wenn genau 100% einer Kleingruppe ein Smartphone mit sich rumtragen. Mehr noch: wenn die Gesamtheit der Kleingruppe homogen genug ist, um zu den heavy usern von Facebook, Twitter und Foursquare zu gehören.
Meine zugegebenermaßen sehr subjektive Einschätzung dieses Phänomens fällt so aus: Dem Abend selber ist Heavyuserei der bereits erwähnten Dienste nicht unbedingt zuträglich. Irgendwer guckt immer angestrengt auf ein kleines Display. Irgendein Getränk steht immer blöd rum, weil man eben halten und tippen nicht hinkriegt mit nur zwei Händen. Und irgendwer ärgert sich immer über den bereits vergebenen Bürgermeister-Posten oder schlechten Empfang. Twitter & Co. machen selbst eine gemütliche Kneipe gefühlt zur Großraumdisko: ein stringentes Gespräch ist nur schwer möglich. Und Ablenkung ist stets nur eine Armlänge entfernt.
Und dann wird es Samstag: Auf einmal spielen die Orchideen-Dienste ihr Stärke aus … Ein gemeinsames Hashtag lässt in Sachen “Zusammengehörigkeit” selbst die nachts geteilte Lucullus-Currywurst blass aussehen. Fremde (naja, fast Fremde) haben an unseren Albernheiten digital Anteil genommen! Und wer noch so lustig twittert, kann gar nicht so betrunken gewesen sein, oder? Auch wenn es kindisch ist: die Timeline, die Pinnwand, die Google-Ergebnisseite – am nächsten Morgen ist das neben Kater, Müdigkeit und Taxiquittungen ein schöner Beweis für einen lustigen Abend. Den zwar alle ein bisschen unterschiedlich gesehen, aber im Fazit gleich bewertet haben. Und damit kann ich dann doch wieder gut leben – so funktioniert Social Media, auf Mini-Ebene für und genauso wie im Bezug auf die politische Großwetterlage: aus vielen kleinen albernen Schnipseln ergibt sich eben doch ein guter Gesamteindruck.
#schönwar’s
07.10.2010
Sebastian pocht immer wieder darauf, dass wir ihm eine Plakette hinter den Arbeitsplatz hängen, die ihn als Mitarbeiter des Monats auszeichnet. Da wir so viele festangestellte Mitarbeiter im CashBits-Kellerbüro nicht haben, könnten wir ihm diesen Gefallen eigentlich tun. Aber wir fürchten uns vor zu viel Lobhudelei in einem frühen Stadium der gemeinsamen StartUp-Reise und loben ihn deswegen lieber häufiger und dafür weniger permanent. Um die weiße Wand hinter seinem weißen Stuhl zu füllen, ist uns trotzdem was Schönes eingefallen.
“Floskelparade auf dem Flur” – so heißt der Aufmacher-Artikel aus der Frankfurter am Sonntag. Der ist nicht nur so schön bunt illustriert – der passt auch richtig gut zu uns. Und deswegen hängt der jetzt da. Floskeln, so die These der durchaus “pro Floskel” eingestellten Autorin, entspannen das Büro-Leben. Weil sie Standardsituationen schnell beherrschbar machen und so Ressourcen für die wirklich heiklen Momente des Alltags lassen. Nun könnte man meinen, dass es bei uns noch keine wirklichen Standardsituationen gibt, weil eh alles neu ist. Entsprechend dürfte es also auch keine Floskeln im Kellerbüro geben. Wenn sich die liebe Corinna (das ist die Autorin) da mal nicht täuscht ….
Hier die aktuellen Favoriten:
1. “Schön, dass wir das hingekriegt haben!” – Moritz hat das Mal am Telefon zu jemandem gesagt, der schwer zu erreichen war und es war wohl durchaus ernst gemeint. Seitdem sagt Sebastian das ungefähr drei mal die Stunde. Und ich bin froh, dass er das hinkriegt – schließlich blinzeln wir uns auch beim zehnten Mal noch vergnügt zu.
2. “Ich hab jetzt echt keine mercy mehr” – ein Klassiker im Floskel-Department, war bereits voll in den Prä-CashBits-Wortschatz integriert und hat sich seitdem kein bisschen abgenutzt. Geht wohl zurück auf den Prinzen von Hannover, der damit eine BILD-Reporterin bepöbelt hat. In seiner Tirade folgten allerlei unflätige Begriffe, die ich in diesem Rahmen nicht wiederholen kann. Sagen tun wir’s natürlich in der unzensierten Version.
3. “Wunder dauern etwas länger” – wir unterscheiden gern zwischen Behörden- und Beratersprech. Dies gehört eindeutig in erstere Kategorie. Was uns zur Abwechslung immer wieder erfreut und deswegen häufig genutzt wird. Schließlich sagen wir “das ist best practice” und nicht “das haben wir immer so gemacht”. Beratersprech gibt’s also schon genug. Und Behördensprech ist unser Hobby.
4. “Da ist eine E-Mail zu rum gegangen” – Fakt ist: wir haben ein eher kleines Büro und keine Türen. Entsprechend gehen wir selber rum, aber sicher keine E-Mails. Um so schöner, mit dieser kleinen Floskel immer mal wieder verbal den Großkonzern raushängen zu lassen …
5. “Meine Damen und Herren – heute sinkt für Sie: das Niveau!” – Passenderweise das letzte Beispiel der heutigen Floskelparade – denn mit diesem unnachahmlichen Zwitter aus Kalauer und guter Laune lässt sich jede noch so flache Floskel-Konversation stimmig abrunden. Interessanterweise habe ich heute jemanden getroffen, der von diesem Opa aus der Sprüche-Kiste überrascht und amüsiert war, phrasenmäßig also hinterm Mond gelebt haben muss. Das sind die seltenen Sternstunden des sinnfreien Palaverns.
Wollte man diese Liste erweitern, bräuchte man nur einen einzigen Tag und die Geduld, etwas genauer hinzuhören. Insbesondere Sebastian wiederholt liebgewonnene Prasen mit Regelmäßigkeit und Ausdauer. Damit nicht genug – in seinen Augen werden die Phrasen mit jeder Wiederholung schöner und lustiger – als poliere man die kleinen Juwelen bei jeder Aussprache. Und diese Eigenschaft ist so liebenswert, dass wir fast damit liebäugeln, ihn zum Mitarbeiter des Monats zu machen. Fehlt nur noch eine echte Plakette.
VonStefan am 11. November 2010 um 17:54 Uhr
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